Interview mit der Hex von Schloss Nidda (Hex von Büdingen) Wisie Smith

05.05.2018 20:16

Hallo Ihr Lieben,

bisher wurde der News-Bereich ja eher stiefmütterlich behandelt. Dies ist ein Zustand, der sich nun endlich ändern soll. Ich fände es aber schade, wenn nur Informationen über neue Produkte oder ähnliches hier zu finden wäre.

Deshalb arbeite ich gerade an redaktionellen Inhalten. Auch andere Menschen sollen hier zu Wort kommen.  Deshalb habe ich eine liebe Freundin gefragt, ob Sie Lust hat Gastbeiträge zu den verschiedensten Themen zu schreiben. Hierbei möchte ich ihr bei Themenwahl und Ausgestaltung freie Hand lassen.

Da sie zusagte, möchte ich Euch nun an dieser Stelle Wisie Smith, die Hexe von Büdingen vorstellen.

Jan:
Hallo Wisie, die Leser kennen dich ja vermutlich noch nicht, deshalb stelle dich doch kurz einmal vor. Wer bist du und was machst du so?

Die Hex von Büdingen Wisie SmithWisie:
Wer ich bin? Nun genau diese Frage führte mich auf meinen Weg. Wissen wollen „Wer bin ich?“, das ist ja die Frage überhaupt. Und so begab ich mich auf die Suche und entdeckte spannende Wege und durfte viele Erfahrungen machen, die ich gerne weiter gebe.

Ich lebe in einer sehr geschichtsträchtigen Stadt die im Mittelalter eine Hochburg der Hexenverfolgung war, und eine meiner Ahninnen wurde tatsächlich der Hexerei bezichtigt. Verständlich, dass dieses Thema mein Leben prägte.

Von meiner Mutter bekam ich die Gabe des Kartenlegens in die Wiege gelegt. Von meinem Vater die Leidenschaft für das Theater. Und so kam es, dass ich zum einen durch historische Stadtführungen,  zum anderen durch Kartenlegen den Namen Hexe von Büdingen bekam. Eigene Inszenierungen, Lebensberatung durch Kartenlegen und Schamanismus sind meine Leidenschaft.

Jan:
Du sagst, das Kartenlegen wurde dir in die Wiege gelegt. Heißt das, man muss zum Kartenlegen berufen sein, oder kann man das Kartenlegen wie ein Handwerk erlernen?

Wisie:
Nun, ich denke es sollte eine gewisse Begabung vorhanden sein. Sicher, man kann das Handwerk erlernen, aber ob man es dann ausüben kann ist eine andere Sache. Als Teenager legte ich aus lauter Übermut meinen Freundinnen mit Skat die Karten. Ich nahm es nicht ernst, im Gegenteil, ich lachte über deren Naivität. Dann geschah etwas sehr merkwürdiges, meine Schwester ging regelmäßig zum Kartenlegen, einmal begleitete ich sie aus reiner Neugier, und um die Alte (es war wirklich eine alte krumme Frau mit Warze) zu enttarnen. Und was geschah?

Sie sah mir in die Augen und forderte mich dazu auf, zu sagen was ich in den Karten sehe. Es waren Wahrsagekarten, die ich nicht kannte, und ich sagte was ich sah. Oh Schreck, ich hatte recht, und suchte erst einmal das Weite.

Von meiner Mutter erfuhr ich, dass sie die Karten legen konnte, allerdings hatte sie den Tod ihres Neffen vorausgesehen, was dazu führte, dass sie das Kartenlegen aus ihrem Leben verbannte.  Ich hingegen wurde mehr und mehr in diese Richtung geführt. 

Jan:
Was würdest du jemanden raten, der mit dem Kartenlegen anfangen möchte, insbesondere wenn sie oder er anderen und nicht nur sich selber die Karten legt?

Wisie:
Zuerst einmal ist es wichtig sich der Verantwortung, die man beim Kartenlegen seinem Gegenüber hat, bewusst zu werden. Denn der Mensch kommt mit seinen Problemen und sucht einen Rat. Es ist sinnvoll den Menschen aufzubauen, ihm aufzuzeigen, dass seine Krise auch etwas Gutes hat. Mut zu machen, damit er gestärkt aus der Beratung nach Hause geht. Die Karten zeigen uns Möglichkeiten, keine starren Anweisungen die wir sklavisch befolgen müssen. Auch das sollten wir immer wieder beachten.

Jan:
Was ist für dich besonders wichtig, wenn du mit einer Kundin/einem Kunden bei einer Legung zusammen sitzt?

Wisie:
Vertrauen aufbauen, dem Menschen das Gefühl geben, dass er nicht alleine ist. Ihn ernst nehmen und auch ihm zuhören. Ehrlich gegenüber ihm sein, aber auch darum bitten, dass sie oder er ehrlich mir gegenüber ist. Ja, das liegt mir am Herzen.

Jan:
Du hast in der Eingangsfrage erzählt, dass Schamanismus deine Leidenschaft ist. Wie bist du denn zum Schamanismus gekommen?

Wisie:
Mein Sohn erkrankte an Epilepsie. Du kannst dir vorstellen, dass ich alles Menschenmögliche unternahm um ihm zu helfen. Nachdem er sämtliche Untersuchungen durchlaufen hatte und in ärztlicher Behandlung war, suchte ich weiter nach Alternativen. Es ging um sein Leben, seine Zukunft und ich wollte, dass er ein glückliches Leben führen könnte. Das seltsame war, dass ich immer wieder davon sprach, dass wir zu einem Schamanen müssten, am besten nach Sibirien, und das, obwohl ich rein gar nichts über Schamanismus wusste. Hinzu kam, dass ich vor Jahren ein Buch geschenkt bekam über Schamanismus, das ich ungelesen ins Regal gestellt hatte, und plötzlich fiel es mir wieder ein. Als ich es durchblätterte traf ich auf das Kapitel Schamanismus und Epilepsie. Sofort begann ich zu suchen und fand einen Mann, der den von Michael Harner so genannten Core Schamanismus lehrte.

Ja, und das war's dann, ich war fasziniert von der Methode, und ich erfuhr im Laufe meiner Arbeit, dass der Schamanismus Wurzeln in Sibirien hat. Meinen Sohn konnte geholfen werden. Ich spreche hier bewusst nicht von Heilung im üblichen Sinne, schwupp ist man von allem befreit und alle sind happy und der Alltag hat uns wieder. Vielmehr  fand er  seine ureigene Kraft, und lernte dadurch mit der Epilepsie umzugehen und ein glückliches Leben zu führen. So kam ich zum Schamanismus

Jan:
Da du Michael Harner ansprichst muss ich jetzt eine kritische Frage stellen, hierzu muss ich etwas ausholen.

Michael Harner steht sehr in der Kritik. Der von ihm Core Schamanismus getaufte Schamanismus wird häufig als Plastik-Schamanismus und als "schlechter spiritueller Diebstahl" bezeichnet. Es wird sogar in Frage gestellt, ob man den "Core Schamanismus" überhaupt als Schamanismus bezeichnen darf, da seine "Lehren" sich sehr an unseren westlichen Bedürfnissen anpassen und nur noch geringe Teile der ursprünglichen schamanistischen Tradition enthalten.

Was bedeutet Schamanismus also für dich, so wie du ihn lebst?

Wisie:
Tja, da streiten sich die Geister nur allzu gerne über den "richtigen" und wie sagtest du? Plastik Schamanismus, *lach*.

Ich fand über Harner zum Schamanismus,  was aber nicht bedeutet, dass ich mit allem einverstanden bin und mich blind daran halte. Ja, er hat den Schamanismus unserem westlichen Verständnis angeglichen und gerade das sprach mich an. Wir leben nun einmal in unserer Welt, und was ist daran falsch, dass wir mit unserer Denkweise an diese Methode herangehen? Und wer will denn wirklich wissen, was richtiger Schamanismus  ist? Schamanismus ist lebendig und kreativ und letztlich in jedem von uns verwurzelt. Im Mittelpunkt der schamanischen Arbeit steht für mich die Trommelreise. Das erste was wir im Mutterleib wahrnehmen ist der Rhythmus ihres Herzens. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir auf den Trommelrhythmus reagieren und ihn positiv für Erkenntnisse nutzen können. Frei von einem Glaubensgebilde, das zudem so nicht in unserer Gesellschaft vorhanden ist. Ich habe sehr tiefe, wunderbare Erfahrungen gemacht, die mein Denken/Bewusstsein  erweitert haben.

Wie gesagt, ich gehe nicht konform mit Harner, ich nahm seine Idee als Anregung um mich weiterzuentwickeln auf meinem Weg. Auch finde ich die Blüten, die der sogenannte Neoschamanismus treibt, zum Teil bedenklich/befremdlich, wenn damit geworben wird, dass man zum Schamanen ausgebildet werden kann. Und am besten noch für viel Geld mit Hochglanzzertifikat. Auch ist es meiner Meinung nach nicht notwendig, dass man beim Schamanen aus wer weiß woher in die Lehre geht. Ja, ich liebe meinen schamanischen Weg und freue mich wenn ich Menschen begleiten darf auf ihrem ureigenen Weg mir Respekt und Liebe. Und mit meiner schamanischen Arbeit wie ich sie sehe. Frei von irgendwelchen Lehren /Lehrern.

Jan:
Wenn man online nach Schamanismus und Ausbildung sucht, findet man ein riesiges Seminarangebot verschiedenster Dienstleister. Das geht von Seminaren zu kleinen abgegrenzten Themen bis zu Ausbildungen von zwei Jahren Grundausbildung und dann noch einmal drei Jahre weiterführend, und von günstig bis in die tausende. Wobei ich hier unterscheide, gerade bei den abgegrenzten Themen geht es meist mehr um ein Wochenende zu einem Thema, zum Beispiel Schwitzhütte, wo es mehr um Erfahrungen machen, als um eine Ausbildung geht.

Wenn ich deine vorherigen Aussagen richtig verstehe, bildest du also niemanden zur Schamanin / zum Schamanen aus?

Wisie:
Nein, das mache ich nicht. Ich biete sehr gerne Gruppen- und Einzelseminare an, aber keine Ausbildung. Es ist ein Lebensweg, und nicht etwas das man mal grad eben nebenbei lernt, um sich dann Schamane nennen zu können. Ich begleite Menschen gerne auf ihrem Weg, was ich anbiete dient der persönlichen Erfahrung.

Jan:
Du hattest in den Fragen zuvor schon einmal kurz die Trommelreise und Krafttiere angesprochen. Magst du den Lesern die Begriffe kurz erklären?

Wisie:
Die Trommelreise ist der Mittelpunkt der schamanischen Arbeit. In einer bequemen Position mit geschlossenen Augen hört man auf den gleichmäßigen Rhythmus der Trommel und begibt sich auf die sogenannte schamanische Reise. Im Vorfeld wird der Grund der Reise, eine Frage oder eine Bitte, erarbeitet. Die Bilder oder Szenen, die uns in der Reise begegnen, können uns Antworten vermitteln. Auf diese Weise können uns Wege aufgezeigt werden, auf die wir vom Verstand her nicht gekommen wären. Das Krafttier ist der Begleiter auf der Trommelreise, es führt uns durch die Bilder und Szenen. Im schamanischen Weltbild gibt es das Krafttier, das uns begleitet, auch außerhalb der Trommelreisen mit seiner Stärke und seinen Eigenschaften. So konnte ich feststellen, dass Menschen mit dem gleichen Krafttier Ähnlichkeiten in ihrem Verhalten aufweisen. Den Kontakt zum persönlichen Krafttier stellt man durch eine schamanische Reise her.

Meiner Ansicht nach tragen wir alle Antworten in uns selbst und können durch die tiefe Entspannung bei der Trommelreise  Lösungen finden. Das Krafttier zeigt uns unsere innere Stärke, unsere Kraft. Und ist jener Teil in uns der der Mut macht den eignen Weg zu gehen. Das ist meine Ansicht, im Gegensatz zu einigen anderen, die Krafttiere als eine Kraft sehen, die außerhalb von uns selbst wirkt. Nun, ich denke es ist vermutlich beides richtig, da jeder es anders empfindet.  Wichtig ist, was ich persönlich für mich annehmen kann.

Jan:
Eine letzte Frage hätte ich dann doch noch. Du sagtest du legst Karten, gibst Seminare und begleitest Leute auf Ihrem Weg, des Weiteren ist das Theater eine deiner Leidenschaften. Wo kann man dich denn erreichen oder live erleben, wenn man das möchte?

Wisie:
Ja wo bzw. wie kann man mich erreichen?

Zum einen werde ich ab 18.5. immer freitags von 14 bis 18 Uhr in der Galerie Bilderbogen in Büdingen sein (Galerie Bilderbogen, Altstadt 19, 63654 Büdingen).

Dort kann man sich von mir beraten lassen, aber auch stöbern in interessanten  Kartendecks, unter anderem aus deinem Online-Shop. Man kann mich auch zurzeit über Facebook kontakten, meine Seite heißt Hexenwerk.
Dort gebe ich auch aktuelle Termine bekannt.

Nächste Termine:

Kartenlegen mit Wisie Smith

Am 19 Mai, ab 15 Uhr, im Schicksaal in Utphe
Terminvereinbarung bei Natalie Stede
http://coiffeuserie-schicksaal.de/

Schamanischer Schnuppertag

Am 2.6.2018, ab 11 Uhr im Orbes.
Anmeldungen bitte bei mir.
Telefon: 0178 / 619 4739 E-Mail: smithwisi4 (at) gmail.com
https://www.facebook.com/Hexenwerk-119168641589992/
Und hier der Link zum Veranstaltungsort: http://www.orbes.de/ .

Weitere Termine kommen noch, ich bin noch mitten in der Planung. (Termine werden auch im Beitrag „Wo Ihr die Hex von Büdingen findet“, bekannt gegeben.)

Jan: Danke Wisie, für das nette Gespräch. Ich hoffe, die Leser konnten so einen Einblick in deine Arbeit bekommen, und ich freue mich schon auf die Beiträge für den News-Bereich.

Das Interview wurde aufgrund räumlicher Distanz über mehrere Wochen per E-Mail geführt.